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Alleine unterwegs

Wenn man als Frau alleine unterwegs ist, erntet man immer wieder erstaunte Blicke. Die Reaktionen gehen von "oh, das würde ich mich nicht trauen" bis zu "wow, das möchte ich auch gerne".

 

Angefangen hat alles damit, dass ich an Ostern 2010 unbedingt weg fahren wollte. Ich setzte kurzerhand meine Hündin ins Auto und wir fuhren direkt nach der Arbeit nach Holland. Windmühlen und Tulpenfelder bestaunen. Damals war ich noch mit dem Auto unterwegs und übernachtete meistens in Hotels. Trotzdem war niemand da, der mir Rückhalt geben konnte, falls irgendetwas passieren würde. Brauchte es auch nicht. Denn es geschah nichts Schlimmes!

 

In den 7 Jahren, in denen ich nun alleine unterwegs bin, egal ob mit Auto, Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil, gab es nur wenige Situationen, in denen ich mich nicht wohl gefühlt habe, und selbst da ist nichts Schlimmes passiert. 

Tatsächlich fällt mir spontan nur eine Situation ein, die angsteinflössend war: Ich stand in Deutschland auf einem Parkplatz (offizieller Stellplatz der Stadt) neben einem Vereinsheim. Die Jugendlichen feierten bis weit in die Nacht. Der Alkohol floss vermutlich in Strömen und so benahmen sich die Herren der Schöpfung zusehends daneben. Um 1 Uhr morgens fingen sie an nicht nur in die Büsche, sondern auch an mein Wohnmobil zu pinkeln. Danach war an Schlaf natürlich nicht mehr zu denken. Erst, als sie nach 3 Uhr endlich alle weg waren und auch im Quartier Ruhe einkehrte, beruhigten sich meine Nerven.

 

Kann man solche Situationen überhaupt umgehen? Ja, kann man.

  • Wenn ihr euch unsicher fühlt, dann übernachtet auf Campingplätzen. Das ist zwar teurer, aber da seid ihr "unter Kontrolle". Da braucht ihr gar keine Angst zu haben. Zu Beginn meiner Campinglaufbahn war ich mit dem T5 unterwegs, der kein Klo hat. Deshalb fuhr ich meistens auf Campingplätze und mit der Erfahrung kommt dann auch die Sicherheit.
  • Fahrt auf grössere, offizielle Stellplätze. Die werden videoüberwacht oder haben sogar einen Nachtwächter, oftmals auch Schranken bei der Zufahrt. Zudem steht ihr dort, selbst in der Nebensaison, ziemlich sicher nicht alleine.
  • Meidet Stellplätze, die nur Parkplätze sind. Wobei dieser Tipp etwas arg verallgemeinert ist. Ich stand auf Parkplätzen, auf denen ich mich sehr wohl fühlte. Auf jeden Fall würde ich solche mit angrenzenden Vereinsheimen, Jugendtreffpunkten und ähnlichem meiden. Mit Sicherheit am Wochenende!
  • Wenn ihr unsicher seid, dann lasst das mit dem frei stehen sein. Ihr verpasst vielleicht wunderschöne Plätzchen, aber was nützt die Aussicht frühmorgens aufs Meer, wenn ihr aus Angst die ganze Nacht kein Auge zu gemacht habt.
  • Sucht nicht erst mit Einbruch der Dunkelheit einen Übernachtungsplatz. Sollte euch der Platz nämlich nicht gefallen, habt ihr noch genügend Zeit, um gemütlich wo anders hin zu fahren.
  • Und zu guter Letzt aber ganz wichtig: hört auf euer Bauchgefühl! Das hat immer recht!

Ein toller Tipp, den ich in einem anderen Blog gelesen habe: Stellt einen GROSSEN Wassernapf neben den Eingang. Das suggeriert, dass hier ein grosser Hund dabei ist und wer will sich schon mit einem Rottweiler anlegen...? 😉 Das ist auch der Grund, weshalb ich auf meinen PKW und WoMo Hundepfoten kleben habe.

Sollten alle Stricke reissen, gibt es noch diese Hunde-Abwehrsprays. Hab ich auch mit dabei. Man weiss ja nie. Aber denkt daran: nicht gegen den Wind sprühen!

 

Probleme meistern

Was macht ihr, wenn ihr als Singlefrau zuhause Probleme habt? Ihr löst die Probleme oder sucht euch Hilfe. Wieso soll das auf Reisen anders sein? Selbstverständlich kann die Sprachbarriere alles etwas komplizierter machen, aber wer um Hilfe bittet, dem wird geholfen. Es gibt immer eine Lösung:

 

In England hatte ich Probleme mit einem Pneu. Er verlor langsam Luft. Auf dem Campingplatz liess ich mir sagen, wo ich die nächste Werkstatt finde. Dort hatten sie leider keine Zeit und ich wollte nicht bleiben, weshalb ich beschloss, dass ich nun eben immer erst an einer Tankstelle Luft hole, bevor ich weiter fahre. Der Verlust war gering, sodass dieses System bis zum Ende des Urlaubs funktionierte. Zuhause erfuhr ich, dass das Ventil defekt war.

In Schottland brach noch beim Aufstellen von meinem Tipi die Zeltstange. Glücklicherweise war der Platzwart auf dem Campingplatz sehr hilfsbereit und bot mir einen Miet-Wohnwagen an. In der Nähe ein Hotelzimmer zu finden, das auch zwei Hunde aufnimmt, wäre wohl nicht ganz einfach gewesem.

In Österreich funktionierte meine Satelliten-Schüssel nicht mehr. Ein paar Telefonate später hatte ich bereits einen Termin bei einer Sunlight-Vertretung in der Nähe. Alle waren unglaublich hilfsbereit und man konnte den Fehler finden und beheben. 

 

Die meisten Menschen reagieren äusserst positiv, wenn man sie um Hilfe bittet. Auch wenn es ein antiquiertes Bild ist: wenn man als Frau freundlich fragt, stehen die Chancen sehr gut, dass einem geholfen wird. (Es geht ja nicht darum jemanden auszunutzen!) Viele Männer freuen sich auch heute noch, wenn sie als "edler Ritter" einer "Jungfrau in Nöten" helfen können. 😎 

 

Aber ein Wohnmobil ist doch so gross

Ja, es ist grösser als der kleine Flitzer für die Einkaufsfahrt in die Stadt. 😉 Doch es hat vier Räder, ist viereckig und entsprechend übersichtlich. Es verhält sich nicht viel anders als der Kleinwagen. Zugegeben die Rückfahrkamera macht das Manövrieren einfacher und sicherer. Bei engen Strassen fährt man eben langsamer oder auch mal zur Seite und lässt die anderen Verkehrsteilnehmer passieren. Eine vorausschauende Fahrweise ist sicherlich von Vorteil, um gar nicht erst in eine unangenehme Situation zu kommen. 

 

Raus aus dem Schneckenhaus!

Man kann viele tolle Leute kennen lernen, vorausgesetzt man igelt sich nicht ein. Das passierte mir immer wieder. Weil ich mich unsicher fühlte, zog ich mich ins sichere Schneckenhaus zurück. Dabei sind Camper ein geselliges Völkchen und gerne für einen kleinen Schwatz zu haben.

 

Zum Beispiel in Österreich: An einem warmen Tag kühlte ich mich und die Hunde im Brunnen auf dem Dorfplatz ab. Auf der Sitzbank trockneten wir vor uns hin, als sich unverhofft ein älterer Herr zu mir gesellte. Genau genommen drängte er mich in ein Gespräch, erzählte viel und wir philosophierten ein wenig. Auch wenn ich mich zu Beginn etwas unsicher gefühlt habe, so blieb dieser Nachmittag doch als sehr positives Erlebnis in meiner Erinnerung hängen.

In Freiburg lernte ich am "Wasserloch" vom Stellplatz einen Camper kennen. Er war so nett und spazierte mit mir durch Freiburg. Er konnte mir viel Interessantes erzählen und gab mir tolle Tipps. All das wäre mir entgangen, wenn ich meiner Unsicherheit nachgegeben hätte.

 

Traut euch!

Tastet euch langsam ran. Plant nicht gleich als erstes eine Reise in ein Land, dessen Sprache ihr nicht sprecht und dazu nur frei stehend. Geht es langsam an. Objektiv betrachtet gibt es keinen Grund, weshalb ihr nicht alleine auf Reisen gehen könnt. Subjektiv betrachtet übrigens auch nicht. 😉 Ernsthaft. Traut euch!

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