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Loslassen

Mit dem Loslassen ist es so eine Sache. Wenn man damit mal anfängt, kommt man unweigerlich in einen Sog. Es zieht jeden Lebensbereich hinein. Erst als ich inne gehalten und reflektiert hab, ist mir klar geworden, was ich in den vergangenen Wochen und Monaten alles losgeworden bin. Viel Ballast, der nicht mehr auf meinen Schultern ruht. 

 

Dabei geht es nicht nur um Gerümpel, der einem den Keller füllt. Bei mir war es erst die Wohnung, der Job, der überflüssige Luxus, den man sich über die Jahre angeschafft hat. Genau genommen hatte sich mein ganzes Leben, wie ich es bis anhin geführt hatte, verändert. Doch besonders wichtig war es den Groll loszulassen, den ich meinem Exfreund gegenüber verspürte, um wieder mit mir selber ins Reine zu kommen. Das habe ich ganz offensichtlich geschafft. Mir ist aufgefallen, dass nicht nur der Groll ihm gegenüber verschwunden ist, sondern auch Altlasten aus früheren Begegnungen mit anderen Menschen. Wenn ich an Begebenheiten zurückdenke, die mir sauer Aufstossen "müssten", dann ist da nichts mehr. Ich erinnere mich zwar an diese Personen und Situationen, aber es fühlt sich neutral an. Es ist sehr befreiend, das zu realisieren!

 

Ich habe in den letzten Wochen dank Hilfe schnell Fortschritte machen können. Meinem Kopf ging das manchmal etwas zu schnell. Er hat gar nicht verstanden, dass es mir bereits wieder gut geht: "es kann doch nicht sein, dass du diesem Arsch all seine Untaten verzeihst, das hat er gar nicht verdient." Es fühlt sich schon etwas unwirklich an, wenn ich daran zurück denke. Ich hatte wirklich an der Situation zu knabbern. Aber heute ist mir das einfach egal. Denn beim Loslassen geht es nicht um die anderen, sondern nur um einen selber. Was war ist nicht mehr wichtig. Im Gegenteil, ich habe realisiert, dass ich in diesen Monaten sehr viel gelernt habe, eine wirklich grosse Entwicklung durchgemacht habe. Ich hab mich in fast schon erschreckendem Tempo entwickelt. Ich habe unter anderem endlich gelernt geduldig zu sein. Dass man manchmal Vertrauen haben und abwarten muss. Denn es wird sich regeln. 

 

Ich kann nur jedem ans Herz legen loszulassen. Es geht nicht darum anderen ihre Schandtaten zu verzeihen, sonder sie uns selber zu verzeihen. Denn wir waren Teil davon, waren dumm genug mitzumachen oder uns hinein ziehen zulassen. Dumm genug, es an uns heran zulassen. Ein Buch das sehr gut in dieses Thema passt ist "5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen" von Bronnie Ware. 

Auszug: "Loslassen ist nicht dasselbe wie Aufgeben, ganz im Gegenteil. Loslassen erfordert eine gehörige Portion Mut. Oft gelingt es uns nur, wenn es zu schmerzhaft wird, um irgendein bestimmtes Ergebnis zu kämpfen. Tatsächlich ist es wie eine Befreiung, an diesen Punkt zu kommen, auch wenn es nicht gerade Spass macht. Sobald man akzeptieren kann, dass man selbst nichts mehr tun kann und die Dinge einer höheren Macht in die Hände geben muss, wirkt diese innere Haltung wie ein Katalysator, und alles kommt ins Rollen."

 

Ich habe viel Platz für Neues geschaffen und dabei eine innere Ruhe erlangt, die ich so von mir gar nicht kannte.  

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